Auf dieser Seite "Traumatherapie" möchte ich Ihnen einen Über­blick geben, was ich unter einer psychischen Trauma­tisierung verstehe, und wie ich in meiner psycho­therapeutischen Praxis mit Trauma­folge­störungen arbeite.

Was ist ein psychisches Trauma?

Ein Ereignis bekommt einen traumatischen Charakter, wenn zu viele Eindrücke in zu kurzer Zeit so erfolgen, dass das psychische Verarbeitungs­system überlastet wird. Ein wichtiger Faktor ist dabei, dass die Situation auf physischer oder psychischer Ebene als existenz­bedrohlich erlebt wird, gepaart mit Gefühlen von Angst, Kontroll­verlust und Handlungs­unfähigkeit. Die Selbst­regulations­fähigkeit der mensch­lichen Psyche kann also durch massive traumatische Über­stimulation gestört werden. Aber auch das Gegenteil ist möglich: Traumatisch und damit negativ auf die psychische Integrität wirken lang dauernde Unter­aktivierungen, wie sie beispiels­weise durch chronische emotionale Vernachlässigung durch wichtige Bezugs­personen entstehen.

Eine traumatische Situation kann in der Vergangenheit liegen oder in der Gegenwart präsent sein. Sie kann ein Einzel­ereignis darstellen oder fort­dauernd sein. Beispiel: Ein Verkehrs­unfall ist ein vergangenes Einzel­ereignis. Danach auftretende chronische Schmerzen können als fort­dauernde Traumatisierung wirken.

In meiner psychotherapeutischen Praxis arbeite ich häufig mit folgenden trauma­tisierenden Situationen:

Traumafolgen und Symptome

Traumatische Ereignisse können schwer­wiegende Folgen für die Psyche und die Neuro­biologie des Gehirns haben. So konnte beispiels­weise nach­gewiesen werden, dass Menschen Auffällig­keiten in der Hirn­aktivität zeigen, wenn sie an das Trauma denken. Häufig wird während eines traumatischen Geschehens ein psychisches "Notfall­programm" aktiviert, welches im Sinne eines Flucht- oder Angriffs­verhaltens die traumatische Situation beenden soll. Werden solche Handlungs­impulse unter­brochen oder sonst behindert, wird die dabei entstehende körper­liche Aktivierung im Körper wie "eingefroren". Solche trauma­bedingte körperliche Aktivierungen werden später – wenn ein Schlüssel­reiz oder Er­wartungs­angst die innere Trauma­struktur aktiviert – als unangenehmes Körper­erleben mit entsprechenden Gefühlen der Hilfs­losigkeit, Über­forderung oder Angst wahrgenommen.

Nicht nur die körperlichen Reaktionen, sondern auch die Ein­drücke auf den anderen Wahr­nehmungs­ebenen (fühlen, sehen, hören) werden im Sinne eines "Trauma­gedächt­nisses" abgespeichert. Das Erlebnis wird frag­mentiert und nicht zusammen­hängend abge­speichert. Dies bewirkt, dass solche Erinne­rungen nicht genügend weiter ver­arbeitet werden (z. B. in den nächt­lichen Traum­phasen). Damit wird die Erinnerung an ein trauma­tisches Ereignis nicht in das Langzeit­gedächtnis eingeordnet, sondern es wird immer wieder, manchmal schon fast zufällig, durch Alltags­reize ausgelöst.

Menschen mit traumatischen Erlebnissen erleiden deshalb in der Folge immer wieder sich aufdrängende Erinne­rungen ("Flashbacks"). Sie beschäf­tigen sich zwanghaft mit dem Trauma und erleben wieder­kehrende Gefühle der Ohnmacht und Hilf­losig­keit. Auch medizinisch nicht diagnosti­zierbare Schmerzen und Stress­symptome gehören zum Erlebens­spektrum von Trauma­folge­symptomen.

Im Alltag einschränkende Symptome sind Konzentra­tions- und Gedächtnis­störungen, Gefühl­losigkeit, fehlende Zukunfts­perspektiven und chronische Müdigkeit.

Aus dieser Auflistung sehen Sie, dass Trauma­folgen sich nicht nur als sogenannte "Post­trauma­tische Belastungs­störung" mani­festieren, sondern sich häufiger als Angst­störung oder depressiven Zustand ausdrücken. Angst­störungen und depressive Störungen werden aber oft nicht als Trauma­folge­störung erkannt und deshalb nicht als solche behandelt. Phobien sind häufig auf einzelne traumatische Ereignisse zurück­zuführen.

Nützlich ist die Unterscheidung in primäre und sekun­däre Trauma­folge­störungen: Während die oben beschrie­bene Sympto­matik haupt­sächlich als primäre Trauma­folge­störung – die unmittel­bare Auswirkung eines Traumas auf psychi­scher und neuro­biolo­gischer Ebene – bezeichnet werden, sind mit den sekundären Trauma­folge­störungen die psychischen Lang­zeit­reaktionen auf die traumatische Erfahrung gemeint.

Sekundäre Traumafolgestörungen entwickeln sich oft auf dem Boden eines "trauma­kompensa­torischen Schemas", als die bewusste oder unbewusste Absicht, die Wieder­holung der traumatischen Erfahrung zu vermeiden. Auf physio­logischer Ebene besteht dabei eine chronische Überakti­vierung, aus dem Bestreben heraus, die Umwelt ständig auf gefährliche, trauma­bezogene Schlüssel­reize zu über­prüfen. Der Organismus ist fort­während in einem Alarm­zustand. Der davon betroffene Mensch erlebt eine chronische innere Nervo­sität und Reiz­barkeit, die wegen der mangelnden Erholungs­möglichkeiten verbunden ist mit Erschöpfungs­zuständen und Schlaf­störungen. Um diese Spannungs­zustände zu mildern, greifen Menschen häufig zu Beruhigungs- und Schlaf­mitteln. Dies ist zwar verständlich und nachvoll­ziehbar, hält aber den Wirkkreis der Störung aufrecht und führt zu weiteren Problemen.

Traumakompensatorische Schemata zeigen sich auch auf der geistigen Ebene. Häufig sind Schuld- und Scham­gefühle: Da das Schicksal­hafte und Zufällige eines trauma­tischen Ereig­nisses schlecht ertragen wird, wird die Ursache des trauma­tischen Ereig­nisses bei sich selber gesucht. Damit entsteht eine illu­sorische Kontrolle, man hätte, beispiels­weise indem man besser aufge­passt hätte, nicht so naiv gewesen wäre usw., das trauma­tische Ereignis verhindern können. Das Unerträg­liche des Zufälligen wird zwar so eingedämmt, aber der Preis sind Schuld- und Scham­gefühle. In der Folge ergeben sich häufig Probleme mit dem Selbstwert. Kinder sind dabei sehr anfällig für diesen Mechanismus: Es muss doch einen Grund geben, warum die Eltern schlagen, sexuellen Missbrauch betreiben, das Kind ablehnen etc. Die innere Antwort ist immer dieselbe: Ich hätte braver sein müssen, besser sein müssen usw. Dieser Mechanismus wird von Tätern und Täter­innen häufig schamlos ausgenutzt, um sich selber zu entlasten, und ist als täter­orientiertes Denken in der Gesell­schaft und Juris­prudenz leider verbreitet.

Traumatherapie

Traumatherapie ist die psychothera­peutische Arbeit an der trauma­tischen Erinnerung und den Auswirkungen einer traumatischen Erfahrung auf das gegen­wärtige Erleben. Grob gesagt besteht die Ziel­setzung darin, dass die Erinnerung an ein trauma­tisches Ereignis keine gegen­wärtige Belastung mehr produziert und damit die Lebens­einschränkungen reduziert werden. Damit lösen trauma­assoziierte Reize im Alltag keine traumatische Stress­reaktion mehr aus. Häufig zeigt sich, dass mit einer erfolg­reichen Trauma­bearbeitung sich negative Selbst­überzeugungen spontan verändern, weil sich trauma­kompensa­torische Schemata verändert haben.

Damit der Inhalt eines Trauma­gedächt­nisses trans­formiert werden kann, ist es wichtig, den Gedächtnis­inhalt gezielt zu aktivieren. Erst durch die Aktivierung ist eine trauma­tische Erinnerung so "aufgeweicht", dass sie veränderbar wird.

Diese Traumaaktivierung ist aller­dings für die betrof­fenen Menschen äusserst belastend. Zudem weiss man aus der Therapie­forschung, dass eine zu hohe Belastung während der thera­peuti­schen Trauma­arbeit nicht nur nichts nützt, sondern kontra­produktiv ist. Deshalb wird in der profes­sionellen psycho­logischen Trauma­therapie darauf geachtet, dass die Therapie inner­halb eines "Toleranz­fensters" der psychi­schen Belastungs­fähigkeit abläuft. Eine zu geringe Belastung aktiviert den Gedächtnis­inhalt zu wenig, ist somit thera­peutisch wirkungs­los, eine zu hohe Belas­tung über­fordert die integra­tiven Funk­tionen des Gehirns und der Psyche. Deshalb pendelt eine Trauma­therapie häufig zwischen den Ansätzen "Stabili­sierungRessourcen­orientierung" und "Trauma­konfron­tation". Damit kann die Belastung während eines therapeu­tischen Prozesses gesteuert werden. Dies hat auch den therapeu­tischen Effekt, dass sich für den betrof­fenen Menschen in der therapeu­tischen Aus­einander­setzung mit den trauma­tischen Erfah­rungen ein Gefühl der Selbst­kontrolle, Kompetenz und Einfluss­nahme einstellt. Dies ist genau das Gegenteil des Trauma­gefühls von Ohnmacht und Hilf­losigkeit.

Stabilisierung und Ressourcenarbeit in der Traumatherapie

Wichtige Pfeiler der Traumatherapie sind also stabilisie­rende und ressourcen­orientierte Ansätze. Hier geht es in erster Linie darum, die Überakti­vierung des Nerven­systems zu reduzieren, eine allgemeine psychische Beruhigung zu erreichen. Wenn so der "Alarm­modus" verringert ist, können die trauma­verarbei­tenden inte­grativen Funktionen der Psyche und des Gehirns aktiviert und genutzt werden.

Die Methodenvielfalt ist hier riesig. Ich selber arbeite vor­wiegend mit bewährten Verfahren aus dem Bereich des EMDR, der Hypnose­therapie und Klopf­therapie PEP. Egal ob man mit Hypnose oder EMDR arbeitet, es werden Ressourcen und Fähig­keiten mental und gefühls­mässig aktiviert und somit erfahrbar gemacht, die zur Stabili­sierung, Beruhigung, Trauma­distan­zierung und Selbst­für­sorge führen. Oft erlebe ich dabei, dass schon diese nur zur Vor­bereitung der Trauma­arbeit gedachten Methoden eine deutliche Ent­lastung vom Druck innerer Trauma­schemata bringen, gepaart mit einer ent­sprechenden Symptom­reduktion.

Traumabearbeitung und traumakonfrontative Verfahren

In der direkten Traumabearbeitung­sphase wird ent­weder mit der Erinnerung der ver­gangenen trauma­tischen Erfahrung gearbeitet, oder mit der aktuellen Sympto­matik. Oft ist auch die Arbeit an vergangene Erleb­nissen wichtig, die in einem inneren, gefühls­mässigen Zusammen­hang mit dem trauma­tischen Erlebnis stehen.

Die Grundidee der Traumatherapie ist, dass das Trauma­gedächtnis bzw. Trauma­schema mit dem inneren Ressourcen­netz­werk verbunden wird. Dadurch ergeben sich emotional direkt erlebte neue Verarbei­tungs­möglich­keiten. In der Trauma­verarbei­tung, egal ob mit EMDR oder Hypnose­therapie, geschieht diese Ressourcen­verbindung weit­gehend spontan, natürlich auch immer wieder von bewussten, willent­lichen Kompeten­zen unter­stützt.

Auch in der eigentlichen Traumabearbeitung besteht häufig ein flies­sender Wechsel zwischen der Trauma­konfron­tation, Ressourcen- und Kompetenz­akti­vierung und Reflexion über das in der Trauma­arbeit erlebte. So wird die Vernetzung von emotio­nalen und kogni­tiven Hirn­bereichen gefördert, die sog. Fragmen­tierung des Trauma­gedächt­nisses reduziert und damit die Heilung des Trauma­schemas unter­stützt.

Besteht eine bewusste Erinnerung an trauma­tische Erfah­rungen, so arbeite ich hier vor­wiegend mit EMDR und den sogenannten Screen- bzw. Bild­schirm­techniken aus der Hypnose­therapie. Immer wieder sind auch gute Ergeb­nisse mit der Klopf­therapie PEP zu erreichen.

Manchmal haben Menschen flashback­artige Symptome (auf allen Sinnes­ebenen möglich) oder diffuse belas­tende Empfin­dungen und Gefühle, die mit einem belas­tenden Erleben assozi­iert sind, ohne dass dieses bewusst präsent ist (meistens, weil es auf­grund des Trauma­charakters oder Trauma­zeit­punktes gar nicht zu einer bewussten Erinnerungs­abspeiche­rung gekommen ist). Hier bieten sich hypno­thera­peutische Arbeiten an, in der die Sympto­matik hypno­thera­peutisch auf einer meta­phorischen oder symbo­lischen Ebene beabeitet wird.

Keine aufdeckenden Arbeit bei nur vermuteten Traumata

Traumaaufdeckende psychotherapeutische Aufträge bei nur vermuteten "verdrängten" Traumata führe ich als solche nicht durch (weder mit Hypnose noch mit EMDR). Belas­tende Symptome können etwas mit Traumata zu tun haben, können aber auch eine besondere "Sprache der Seele" dar­stellen, der es in der Therapie nach­zugehen gilt. Dies ist der grosse Bereich des psycho­somatischen Ausdrucks.